Im Sommer 1940 zog Thiel und sein Triebwerksteam ebenfalls nach Peenemünde. Familie Thiel bezog eine Wohnung auf der Hin­denburgstraße 56 in Karlshagen, der Wohnsiedlung von Peenemünde. Thiel war mitt­lerweile Direktor des Ent­wicklungswerkes und für die Entwicklungsfragen auch Vertreter von Brauns geworden.

1940 wurden sehr viele neue Wissenschaftler ein­gestellt, um die Forschung für das A4 zu be­schleu­nigen. Ein wichtiger Mitarbeiter Thiels wurde der Chemiker Gerhard Heller.

 
Dr. Thiel (2.v.r.) mit seinem Stab auf dem Prüfstand VII in Peenemünde vor dem A-4 Versuchsmuster 3, das am 16.08.1942 um 12.15 MEZ gestartert wurde.
Personen v.l.n.r.: Ing. Hueter, Ing. Hainisch, Prüfstandleiter Ing. Schwarz, Ing. Münz, Dr. Hackh, Ing. Zoike, Dr. Thiel und Dr. Schilling
(Quelle des Fotos: Deutsches Museum, München, Deutsches Museum Archiv, Peenemünde Bild-Ordner 23)










 

Die harte und intensive Arbeit der Wissen­schaftler an dem Projekt A4 wurde am 3. Oktober 1942 mit dem ersten erfolgreichen Start vom Peenemünder Prüfstand VII gekrönt. Die Rakete flog 190 km Richtung Zielort und erreichte eine Gipfelhöhe von 85 km. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 1.322 m/sec. Im Zinnowitzer Hotel Schwab wurde die­ser große Erfolg gebührend ge­feiert.

Der Erfolg war zugleich auch der Anfang vom Ende der Wis­sen­schaft in Peenemünde. Da das A4 nun Qualitä­ten als Kriegswaffe zeigte, wurde der schnelle Kriegseinsatz von der NS-Führung gefordert. Die Massenproduktion löste die Wissen­schaft ab. Das Aggregat war aber noch nicht ausge­reift, es folgten nach dem 3. Oktober 1942 noch viele Fehlstarts.

Am 26. Mai 1943 besuchten wichtige Wehrmachtsoffiziere Peenemünde. (Hitler war übrigens nie in Peenemünde.) Den Prüfstand VII in Peenemünde kann man nur mit einer Tour besuchen. Daher ist folgende Aufnahme während einer Tour am 03. Oktober 2017 entstanden. Auf dem Foto sind von links nach rechts zu sehen:

Dr. Thiel, Generalfeldmarschall Milch, Oberst i.G. Graf Stauffenberg, General d. Inf. Olbricht, Staatsrat Plendel, Großadmiral Dönitz, General d. Art. Brandt, Chef des HWA Leeb, Dr. Dornberger und Dr. von Braun

(Die Angaben auf den Quellen stimmen nicht ganz überein, im DMM wird Plendel zwischen Thiel und Stauffenberg angegeben, Milch fehlt jedoch und auch Leeb wird nicht genannt. Die mündliche Aufzählung bei der Tour erwähnt jedoch Milch und Leeb, nennt aber Plendel nicht. Von der Personenzahl her stimmen aber beide Aufzählungen nicht.)

(Quelle: privates Foto, Filmstill einer geführten Tour am 03. Oktober 2017 am Prüfstand VII)

1943 waren Thiel und mit ihm viele der Peenemünder Forscher nervlich am Ende. Überarbeitung, Erfolgsdruck und der Wandel vom Entwicklungs- zum Produktionsunternehmen belastete die Wissenschaftler. Thiel lehnte es ab das Triebwerk der Rakete als tauglich für die Massenproduktion zu bezeichnen. Thiel beschloss seinen Protest am 17. August 1943 mit einer mündlichen Kündigung. Er wollte sich als Thermodynamiker an einer Hochschule habilitieren. Dornberger nahm diese Kündigung nicht an. 

In der darauf folgenden Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 griff die Royal Air Force Peenemünde aus der Luft (Operation Hydra) an. Familie Thiel kam im Splittergraben vor ihrem Haus in Karlshagen, Hindenburgstraße 56 ums Leben. Thiel und seine Familie (Frau Martha, Tochter Sigrid und Sohn Siegfried) wurden auf dem Ehrenfriedhof in Karlshagen beigesetzt.

 
Grab der Familie Thiel auf dem Ehrenfriedhof Karlshagen im ursprünglichen Zustand.
Die Namen der Ehefrau und der Kinder auf dem Kreuz waren übrigens falsch geschrieben.
(Quelle des Fotos: Privatarchiv Familie Thiel)
Grabplatte Walter Thiels heute auf dem Ehrenfriedhof Karlshagen
(Quelle: privates Foto)
 










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Am 29.10.1944 wurde Thiel posthum das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern verliehen.