Prof. Ruff, Thiel's Anorganik Professor aus Breslau, empfahl Thiel an das Forschungs­institut des Heereswaffenamtes an die Univer­sität Ber­lin. Leiter war Mini­sterialrat Prof. Karl Erich Schumann. Thiels bisherige Forschungsarbeiten hatten wehr­technische Verwertbarkeit und so führte er seine Grundlagenfor­schung in leitender Position weiter. Thiel wurde Ende 1934 oder Anfang 1935 Referent im Reichs­wehr­ministerium.


Schumann, seit 1933 NSDAP-Mitglied, leitete das II. Physikalischen Instituts an der Berliner Uni­ver­sität und die „Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie“, die 1935 zur Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes (WaF) umgebaut wurde. Schumanns Vorgesetzter war General Becker (1879-1940), der erst die Amtsgruppe Prüf­wesen (Wa Prüf) des HWA und ab 1938 das ge­samte HWA leitete.


Schumann betreute eine Vielzahl von Diplomar­beiten und Promotionen. Er betreute u.a. Wernher von Braun, der seine Dissertation 1934 abschloss. Außerdem schrieb Kurt Wahmke seine Promoti­onsarbeit bei Schumann. Sie be­schäftigte sich mit dem Flüssigkeitsraketenan­trieb. Wahmke starb am 16. Juli 1934 in Kummersdorf bei dem Test eines Raketentriebwerkes.

Thiels Aufgaben in Schumanns Institut waren u.a. folgende:

  • Fortführung der For­schung Wahmkes. Thiel unterschreibt Thiel am 16. Juli 1935 in Erinnerung an den Unfall Wahmkes ein Jahr zuvor das Gedenkschreiben an die Angehörigen Wahmkes gemeinsam mit seinen Kollegen (s. Foto, rechte Spalte, zweiter von oben).
Gedenkschreiben an die Angehörigen Kurt Wahmkes, 16. Juli 1935
(Quelle des Fotos: Dr.-Ing. O. Przybilski, Privatarchiv)


  • Beratung von Hellmuth Wal­ter (Walter-Werke, Kiel), der selbst ein Was­ser­stoffperoxid-Triebwerk entwi­ckelte.

  • Betreuung von Doktoranten, u.a. des Doktoran­ten Seifert. Thiel und Sei­fert beschäftigten sich mit der richti­gen Wahl und dem richtigen Mi­schungsverhältnisse von Treib­stoffen in Raketen. Viele weitere Pro­mo­tions­­arbeiten zu den Themen Raketen und Treib­stoffen wurden im Labor Schumann durchge­führt
  • Thiel und sein Kollege Heinz-Otto Glimm ini­tiier­ten die Arbeitsrichtung „Erforschung der Brenn­vorgänge in Flüssigkeitsraketen“. 1935 er­stellten sie die ersten Betonprüfstände auf dem Kummers­dorfer Gelände. Außerdem entwickelten sie Meß­methoden, um eine systemati­sche Analyse von Raketentests zu ermöglichen.

Der Kontakt zwischen dem Schiessplatz Kum­mers­dorf und dem Schu­mannschen Institut war eng, die Versuchsstelle Ost in Kummersdorf diente den Institu­ten Schumanns als Experimentierfeld für Versu­che, auf West experimentierte die Gruppe von Major Walter Dornberger. Zu dem Dornberger-Team gehörten auch Wernher von Braun und Klaus Riedel. So lernte Thiel Dornber­ger und von Braun schon früh ken­nen.